Nikolai
Die Legion
„Haltet ihn!“ Nicht mit mir!
„Gleich haben wir ihn.“ Das denkt ihr wohl.
„Verdammter Schweinehund.“ Damit konnte ich leben.
Ich preschte durch das Dickicht. Der Wald vertiefte und verdunkelte sich stetig. Die Bäume standen dichter beieinander und die Äste kräuselten sich so, als hätten ihre leblosen Zweige plötzlich Leben eingehaucht bekommen. Sie griffen nach mir, zerrten an meinen Kleidern.
„Ihr von rechts und ihr von links!“, brüllte der Kommandant. Monatelang waren sie nun schon hinter mir her, noch immer hatten sie mich nicht in die Finger bekommen und das würde auch so bleiben.
In Lichtgeschwindigkeit rannte ich immer tiefer in den Wald hinein. Kein menschliches Auge konnte mich erspähen, doch womit ich es zu tun hatte, war nicht menschlich. Sie waren viel schlimmer. Da mir nur allzu bewusst war, wer hinter mir her war, beschleunigte ich.
Der Hang hatte an Gefälle zugenommen. Ich sprang unbeirrt über Fels und Gestein. Ich wich den Bäumen und deren Ästen aus. Schneeflocken tummelten sich von dem bewölkten Himmel herab und wiesen mir den Weg. Dummerweise ließen sie auch den Weg verschwinden und so übersah ich eine aufragende Wurzel.
„Verdammt!“, brüllte ich, als ich kopfüber nach vorne stürzte und sich mein Fuß verhakte. Meine Beine flogen in die Höhe und ich rollte den Abhang hinab. Meine Haut schürfte sich auf. Ich konnte mein eigenes Blut riechen. Ich hasste es.
Ich hasste es genauso sehr, wie ich es hasste, verfolgt zu werden. Ein weiterer Fels hielt meinen unfreiwilligen Abgang auf und endlich kam ich zum Stillstand. Ich konzentrierte mich kurz. Meine Nasenflügel blähten sich auf. Ich konnte sie riechen.
Ich konnte sie ganz genau riechen. Das alte Leder, das vertrocknete Blut. Die Blutgier stand ihnen im Geruch geschrieben und die Belohnung, die sie für mich bekommen sollten, ließ ihr kleines Erbsengehirn komplett vernebeln.
Ich zog mich nach oben. Sie mussten bald da sein und ich musste so schnell als möglich verschwinden. Schnell spähte ich in alle Richtungen und entschied mich weiterhin nach Süden zu laufen.
Ich sammelte mich und preschte erneut los, als ich ein leises Pfeifen hörte. Während ich rannte, wurde es immer lauter. Es war ein glasklarer Ton. Er hallte in meinen Ohren wider. Ich konnte es nicht ertragen.
Wild rudernd presste ich meine Hände auf meine Ohren um den Klang zu dämpfen, doch er war zu stark für mich. Unwillkürlich brüllte ich auf. Meine Eckzähne stoben nach vorne. Meine Muskeln spannten sich an. Ich durfte jetzt nicht fallen.
Nicht jetzt, wo ich es bald geschafft hatte. Ich hörte ihre Schritte hinter mir und ich hörte das beißende Lachen. Ich hörte die Schadenfreude meiner Verfolger, als mich dieses widerliche Pfeifen zermarterte und ich schlussendlich erneut stürzte.
Ich überschlug mich zweimal, als mich auch schon der Erste meiner Angreifer packte und nach oben zog.
Voller Wut holte ich mit meiner Faust aus und schlug ihm in sein hässliches Gesicht. Brüllend ließ er mich los und wankte zurück. Seine Nase blutete, sein Wangenknochen stach durch seine Haut hindurch.
„Willst du noch mehr? Ha?“, brüllte ich ihn an.
„Du verdammter Hurensohn“, schrie er zurück. Als ich mich auf ihn stürzen wollte, umfassten mich plötzlich Arme von allen Seiten. Sie hatten mich. Sie hatten mich gefangen. Verdammte Scheiße.
Mit stählernen Kräften zwangen sie mich in die Knie. Ich wehrte mich. Und wie ich das tat. Ich trat aus und versuchte mit meinen Fäusten ihre Gesichter zu treffen, doch sie ließen mir keinen noch so winzigen Freiraum.
Ein lautes Knacken lies mich dann doch innehalten. Einer hatte mir die Schulter ausgekugelt und ich bezweifelte, dass es dabei blieb. Da stieg mir der Geruch von verfaultem Tierleder in die Nase. Seine Schritte verfolgten mich bereits in meinen Träumen, aber jetzt blieben diese zwei stinkenden Stiefel direkt vor meinem Gesicht stehen.
„Sieh mich an“, befahl er in ruhigem Ton. Mein Gesicht war dem Boden zugewandt. Ich wusste doch bereits, wie er aussah. Wenn es schon sein musste, dann sollte er es schnell machen.
„Sieh mich an“, beschwor er mich ein zweites Mal, doch ich reagierte nicht.
„Sieh mich verdammt noch einmal an“, keifte er und trat mit seinem Stiefel gegen mein Gesicht. Meine Haut war aufgeplatzt, meine Lippen bluteten. Ich schmeckte mein eigenes verdammtes Blut.
Er griff in meine Haare und zog meinen Kopf nach oben. Ich schaute in die dunklen Augen meines Angreifers. Sein hämisches Grinsen bog sich mir entgegen. Seine Zähne waren verfault und über seinem Gesicht prangte eine riesige Narbe.
„Eigentlich ist es viel zu schade, dass wir dich schon haben. Es hat richtig Spaß gemacht, dich zu fangen. Es war ein regelrechter Genuss“, meinte er und fletschte arrogant seine Zähne.
„Es tut mir leid, dass ich dir deinen Spaß verdorben habe“, antwortete ich und stieß jedes einzelne Wort mit Verachtung hervor.
„Weißt du, eigentlich hat niemand etwas davon gesagt, dass wir dich lebend zurückbringen sollen. Es wäre doch zu schade, wenn du nur weggesperrt werden würdest. Wie wäre es mit einer schönen Portion Sonne? Du siehst gar so blass aus.“
„Wenigstens sehe ich nicht so aus wie du“, brummte ich und sein Gesicht verfinsterte sich. Ich hatte einen wunden Punkt getroffen und das wusste ich. Seine Narbe war das Zeichen einer Niederlage für ihn. Seine einzige Niederlage und das konnte er natürlich nicht verkraften.
Er blickte zu seinen Männern.
„Brecht ihm alle Knochen. Macht mit ihm, was ihr wollt und dann lasst ihn liegen. Die Sonne erledigt den Rest“, befahl er ihnen und mit einem letzten hämischen Grinsen lies er mein Gesicht los und gab den Befehl.
Alle prügelten gleichzeitig auf mich ein. Ich fletschte meine Zähne und schlug mit meiner gesunden Hand zu. Ich wehrte mich, soweit ich konnte, doch irgendwann überwältigten sie mich. Auf Wiedersehen, Welt. Du warst zeitweise so gut zu mir. Sie traten mir in den Magen und ihre Fäuste hagelten wie ein Schauer auf mich herab. Ich spürte nichts mehr. Ich bereute einiges, das möchte ich nicht bestreiten. Aber nun war es aus und vorbei. Ich hatte meinen Frieden. Ich hatte das bekommen, was ich verdient hatte und irgendwann wurde es dunkel und still.

 

Emily
Der Ruf
 
Laaast Christmas, I gave you my heart…“
„Ach komm schon, Emily. Es sieht gar nicht so schlimm aus. Ehrlich nicht.“
„Ich seh aus, als hätte ich einen Pudel auf meinem Kopf“, fauchte ich Leena an.
„… this year, to save me from tears, I ´ll give it to someone special…“
„Ist doch gar nicht wahr“, meinte sie und zwirbelte in meiner neuen Frisur herum.
„Warum habe ich mich nur von dir dazu überreden lassen?“, schnappte ich zurück. Eine Dauerwelle. Sie hatte mich zu einer Dauerwelle überredet. „Gut siehst du damit aus“, hatte sie gesagt. „Mach doch mal etwas anderes mit deinen Haaren“, hatte sie gesagt. Dass ich nicht lachte.
„Du hast dich überreden lassen weeeiiilll:…“ Pause. Großartig.
„Weeeiiilll…?“, wollte ich wissen.
„Sieh mal dort. Dort ist Ville. Komm, ich stell dich ihm vor.“ Ja, ja, im Ablenken war meine Freundin die Beste. Sie schnappte meine Hand und wir versuchten durch das dichte Schneetreiben die Straße entlang zu eilen.
Ich lernte Leena vor einer halben Ewigkeit (vor drei Jahren) auf einem meiner Finnland-Trips kennen. Seitdem kam ich sie jedes Jahr für ein bis zwei Monate besuchen. Je nachdem, ob es meine Arbeit zuließ oder nicht.
Ich liebte Schnee. Ich liebte Finnland und ich liebte die Weihnachtszeit. Was ich nicht liebte, war der Wischmob auf meinem Kopf, aber das war ein anderes Thema. Leena hatte mich durch die Menge hindurchdirigiert und wir steuerten zwei wirklich gut aussehende Typen an.
Einer von ihnen hatte kurz geschorenes Haar und der Andere trug es kinnlang. Leena war eine Überfliegerin. Sie wollte sich nicht festlegen und so wie sie aussah, musste sie sich auch nicht festlegen. Sie hatte Verehrer ohne Ende.
„Hei“, begrüßte sie die beiden Männer. Während sie sich stürmisch umarmten, blieb ich lieber im Hintergrund. Ich war nicht der Typ, der sich jedem an den Hals warf. Ich wollte umgarnt werden, erobert werden, aber welcher anständige Mann wusste schon darüber Bescheid?
„Ville, Jonne, das ist meine Freundin Emily. Sie ist zu Besuch hier“, stellte sie mich vor und prompt wurde mir zugezwinkert.
„Hallo“, begrüßte ich die Beiden und das Zwinkern wurde zu einem ausgewachsenen lüsternen Blick. Ok, nichts wie weg hier.
„Entschuldigt mich, ich hole mir noch etwas zu trinken“, log ich und drehte mich um.
„Ich komme mit dir“, meinte Jonne. Das war mir aber eigentlich gar nicht so recht.
„Ist schon Ok. Du musst mich nicht begleiten. Die Frauen in meiner Familie sind total selbstständig. Wenn uns jemand zu nahe kommt, machen wir ihn mit einem einzigen Tritt zeugungsunfähig. Das sieht immer recht witzig aus, weißt du? Die Gesichter werden blau, die Oberschenkel verkrampfen sich, die Muskeln ziehen sich zusammen … Hey, kommst du nicht mehr mit?“
„Ähm … ich muss zurück … Verpflichtungen, du verstehst …“ Ja, ich verstehe.
„Ok. Vielleicht das nächste Mal“, meinte ich fröhlich und winkte ihm nach. Gut gemacht. Ich stapfte derweil durch den Schnee zurück zum Treiben. Es sah alles so bezaubernd aus. Alles war weiß, der Schnee lag meterhoch auf den Straßen, auf den Bäumen, auf den Dächern.
Kleine Stände waren aufgebaut und es wurden heiße Getränke angeboten, süße Leckereien wurden überreicht, Weihnachtslieder spielten aus großen Lautsprechern.
Die Kinder tollten im Schnee herum und rodelten die Hügel hinab. Ein kleiner See war soweit zugefroren, er konnte zum Eislaufen verwendet werden. Es waren sogar Sauna-Hütten aufgestellt und daneben gab es jeweils ein Wasserloch in dem zugefrorenen See.
Es roch herrlich und es machte mich mehr als glücklich. Ich stapfte zwischen den vielen Menschen hindurch und genoss das rege Treiben. Hin und wieder blieb ich stehen und schaute den Kindern bei ihren Spielen zu. Sie hatten so viel Spaß und ich freute mich mit ihnen.
Langsam und ohne Hektik folgte ich dem Weg und gesellte mich zu den Anderen, die vor dem zugefrorenen See standen. Sie hatten ein kleines Lagerfeuer angezündet. Der Qualm durchbrach die sternenklare Nacht.
Dummerweise verstand ich nur gebrochen finnisch und so verstand ich kaum etwas, was am Feuer gesprochen wurde. So schlenderte ich das Ufer entlang. Verliebte Pärchen verfolgten sich auf dem Eis. Kinder spielten Eishockey.
Alles in allem war es ein traumhafter Winter und doch fehlte mir etwas. Ich wusste nicht, was es war, aber ich spürte es in diesem Jahr so viel deutlicher als sonst. Obwohl ich alles hier unheimlich genoss, hatte sich doch eine seltsame Unruhe in meinem Inneren breitgemacht.
Du dumme Gans, tadelte ich mich. Ich sollte das alles hier genießen. Während ich an dem Ufer stand und die Menschen beobachtete, begann plötzlich mein Herz schneller zu schlagen. Eine eigenartige Stress-Situation stellte sich in meinem Inneren ein.
Schweißperlen bildeten sich auf meiner Stirn und meine Handflächen waren eiskalt, obwohl sie in dicken Handschuhen eingepackt waren. Ich blickte mich um. Ich sah nichts Außergewöhnliches. Ich versuchte, mich zu beruhigen. Oh Gott, würde ich jetzt einen Herzanfall erleiden?
JETZT? Mit meinen knapp 24 Jahren? Ich war kerngesund, hatte keinen Zucker und kein Cholesterin. Warum sollte ich also jetzt sterben? Warum hier? Warum JETZT? Wie deutete man Leuten die einen nicht verstanden an, dass man eine Herzattacke erlitt?
Während die Panik in mir die Oberhand übernehmen wollte, wehte mich ein ziemlich starker Wind von der Seite um.
„Wow“, stieß ich aus und stolperte nach vorne, konnte mich jedoch in der letzten Minute noch fassen. Die Leute verstummten und drehten sich zu mir um. Ich lächelte und winkte ihnen zu in der Hoffnung, dass sie sogleich weiter miteinander plaudern würden.
Als sich alles wieder beruhigt hatte, drehte ich mich um und starrte in die Richtung, aus der mich der Wind fast umgehauen hatte. Es zog mich etwas dort hin. Ich wusste nicht, was es war, aber ich musste dorthin. Und zwar sofort. Ich setzte mich in Bewegung. Ich wollte laufen. Ich konnte nicht laufen. Und warum nicht? Wegen des vielen Schnees. Ach, wenn man einmal keinen Schnee brauchte …
Ich versuchte zu laufen, aber die Schneemassen hielten mich zurück und so stapfte ich vor mich hin, getrieben von etwas, das ich nicht benennen konnte. Ich näherte mich dem Wald. Seine Bäume ragten dunkel und düster vor mir empor. Obwohl seine Äste übervoll mit Schnee bedeckt waren, kam mir doch etwas seltsam daran vor.
Ich fand einen kleinen, kaum ausgetretenen Pfad, dem ich folgte. Das Treiben der Menschen verfolgte mich noch minutenlang, doch sobald ich weit genug im Wald war, umringte mich nur mehr die tiefe Stille des Waldes.
Totenstill war es und doch vernahm ich Stimmen. Ich drehte mich um die eigene Achse, aber ich sah niemanden. Da musste doch jemand sein. Irgendjemand.
Schön langsam wurde es mir mulmig zumute. Ich war schon nahe daran mich einfach umzudrehen und wieder zu den Anderen zu laufen, aber eine kleine Stimme in meinem Kopf sagte mir, dass ich weiter gehen sollte.
Ich mochte kleine Stimmen nicht. Die machten einem immer nur Ärger, doch trotz dieses Wissens stapfte ich weiter in den Wald hinein, der sich immer mehr verdüsterte.
Plötzlich hörte ich ein Geräusch. Es war ein Knacken. Ein Ast war gebrochen. Die Erde erbebte ganz leicht. Es war ein Zittern in der Luft, dass ich bis in meine Haarspitzen spürte. Ich weiß, ich weiß, ich und meine Haarspitzen, sofern ich sie überhaupt noch fand.
Ich folgte diesem Zittern. Es wurde mit jedem Schritt stärker. Ich traute meinen Ohren beinahe kaum, doch wenig später vernahm ich Stimmen, kräftige männliche Stimmen. Eine kleine Lichtung durchbrach diese unheimliche Dunkelheit. Große, dunkle Gestalten erhoben sich. Als ich nahe genug war, um etwas hören zu können, versteckte ich mich hinter dem nächsten Strauch … mit Dornen … AUA!
Fluchend beobachtete die Szene. Ich bemerkte, dass ich doch nichts hören konnte (oh, welch ein Wunder). Wenigstens verstand ich undeutliches Nuscheln. Die Situation war jedoch recht eindeutig.
Eine Horde von Männern drückte einen Einzelnen auf den Boden. Ich erkannte die Geisel nicht, denn sein Haar verdeckte sein Gesicht. Sein Shirt war zerfetzt und seine Hose war auch nicht mehr die Neueste.
Der Anführer redete mit ihm, doch er schien keine Antwort zu erhalten. Dann gab er einen Befehl und die Männer droschen auf den Einzelnen, am Boden liegenden, ein. Oh Gott, wie konnte ich ihm bloß helfen?
Gar nicht, war die Antwort und die war sehr ernüchternd. Ich konnte nur hoffen, dass sie bald fertig waren und dass der Mann noch lebte, wenn sie erst mit ihm fertig waren. Die Minuten verstrichen und die Wehrversuche des Mannes wurden immer kraftloser. Irgendwann hörte ich nichts mehr.
Ich hatte mein Gesicht in meinen Händen vergraben und versuchte mich zu beruhigen. Ich war Zeuge eines Verbrechens geworden. War das der Grund, warum ich derart reagiert hatte? Irgendwann spähte ich durch meine Finger hindurch und sah, dass die Männer verschwunden waren.
Sie waren einfach verschwunden. Ich hatte sie weder gehört, noch hatte ich ein Zeichen von ihrem Abgang mitbekommen. Doch nun stellten sich die alles entscheidenden Fragen: War die Luft rein oder war sie es nicht? Lebte der Mann noch oder lebte er nicht? Sollte ich mir die Haare einfach abschneiden oder sollte ich sie lassen?
Ok, genug gedacht. Jetzt mussten Taten folgen. Ich spähte in alle Richtungen. Es war still. Kein einziges Geräusch war zu hören. War das nun gut oder nicht? Langsam erhob ich mich und schritt um mein Versteck (der Dornenbusch wohlgemerkt) herum.
Ich bahnte mir einen Weg durch das Dickicht und machte mich innerlich auf das gefasst, was ich gleich sehen würde. Ich wusste nicht genau, was ich erwartet hatte, aber was ich schlussendlich sah, ließ das Blut in meinen Adern gefrieren. Der Kopf des Fremden war mehrfach auf einen Stein geschlagen worden. Überall war sein Blut.
Seine Knochen standen nach allen Seiten ab, er rührte sich nicht. Er war mehr tot als lebendig. Panik stieg in mir hoch.
„Oh nein“, stieß ich hervor. Ich hüpfte über ihn und hockte mich zu ihm auf den Boden.
„Hey, Sie. Können Sie mich hören?“ Nichts. Ich fasste ihn vorsichtig an und versuchte ihn zu drehen, damit er Luft bekam. Als er am Rücken lag, tätschelte ich ihm die Wangen (zumindest jenen Teil, der nicht zersplittert zu sein schien).
„Hey, hören Sie mich? Sagen Sie doch etwas, bitte“, flehte ich ihn an und tätschelte ihn ein wenig fester. Ich rüttelte an seinen Schultern. Keine Reaktion. Ich rüttelte etwas fester. Nichts.
„Oh nein, oh nein, oh nein“, murmelte ich vor mich hin und versuchte, ihn so weit es ging gerade hinzulegen. Er war so schwer. Er versank richtig im Schnee. Seine Haare klebten ihm im Gesicht. Ich versuchte, sie verzweifelt beiseitezuschieben. Da blieb mir fast der Atem stehen. Ich hatte noch nie einen so schönen Mann gesehen.
Seine Wangen waren so kantig und männlich, dass mich nicht einmal seine Bartstoppeln störten. Seine Augenbrauen waren dicht und sein Kinnknochen sprühte vor Härte.
Ich nahm sein Gesicht in meine Hände und Tränen stiegen mir in die Augen. So jemand konnte doch nicht einfach hier sterben. Nicht hier. Nicht so.
„Komm schon, wach auf. Bitte“, flehte ich ihn weiter an und rieb ihm seine Wangen. Seinen Arm legte ich auf mein Bein und seinen Kopf barg ich in meinem Schoß. Ich versuchte, seinen nackten Arm warm zu reiben, als ich ganz zaghaft einen Puls spürte.
Er war am Leben. Ich beugte mich nach unten und lauschte seinem Atem. Nichts. Dann zog ich mir meinen Handschuh aus und hielt meine Finger an seine Schlagader. Nichts. Mist. Ich hatte doch etwas gespürt. Ich lauschte noch einmal. Nichts.
Doch da, da war ganz eindeutig ein Schlag zu spüren. Ich beugte mich über ihn und überlegte fieberhaft, was ich nun tun sollte. Wenn ich wieder zurücklief und Hilfe holte, würde ich ihn vermutlich nicht mehr wieder finden, was für ihn dann der sichere Tod wäre.
Ich musste ihn irgendwie in mein Zimmer bringen. Zu einem Arzt konnte ich jetzt nicht mit ihm, da ich kein Auto hatte und ein Krankenhaus war hier nicht in der Nähe, aber er brauchte unbedingt Wärme.
Ich setzte mich wieder auf und beäugte meine Umgebung. Vielleicht konnte ich eine Art Trage basteln und ihn dann hinter mir herschleifen. Plötzlich umschloss etwas fest mein Handgelenk. Erschrocken schaute ich nach unten. Die Augen des Fremden waren weit aufgerissen. Seine Pupillen waren winzig klein. Blanke Panik stand in ihnen geschrieben. Seine Hand umklammerte mein Gelenk immer fester.
„… muss … hier … weg …“, stöhnte er. Seine Stimme war genauso rau und männlich, wie seine ganze Erscheinung.
„Ok, ok. Ich bringe Sie zu einem Arzt“, erklärte ich ihm und war heilfroh, dass er noch lebte. Sogleich schüttelte er den Kopf.
„Kein … Arzt … muss … nur … schlafen … Dunkelheit …“, würgte er hervor. Sein Körper erzitterte und er zog mich zu sich nach unten. Seine Augen waren so dunkel, dass ich annahm, dass sie schwarz waren. Sie faszinierten mich und banden mich.
„Dunkelheit. Es ist doch dunkel“, versuchte ich ihm klarzumachen. Seine Lippen waren aufgesprungen. Er tat sich ziemlich schwer beim Reden.
„Keine … Sonne …“, stammelte er, verdrehte die Augen und sank zurück in den weißen Schnee, der vollkommen von seinem Blut befleckt war.
„Keine Sonne. Verstanden.“ Mist. Es war schon recht früh, die Morgendämmerung begann die Nacht zu verdrängen. Ok, jetzt musst du nachdenken, sagte ich zu mir selbst. Ich zog mir meine Winterjacke aus und legte sie über den Fremden. Dann stand ich auf und umkreiste den Platz. Ich suchte nach langen und kurzen, aber kräftigen Stöcken.
Ich entfernte mich ein paar Schritte und sammelte alles zusammen, was auch nur irgendwie brauchbar erschien. Ein paar dickere Äste brach ich von den umherstehenden Bäumen ab, die ich erreichen konnte. Mein Blick schoss alle paar Sekunden zum Himmel.
Es schneite noch immer fröhlich vor sich hin und es schien auch nicht aufhören zu wollen. Die Sterne strahlten heller als zuvor, doch war es nicht mehr so dunkel, wie noch vor ein paar Stunden. Ich hatte wenig Zeit.   
Ich legte die Äste und die Stöcke, die ich gefunden hatte, so zusammen, dass sie eine Trage ergaben. Jetzt musste ich sie nur mehr irgendwie zusammenbinden. Ich suchte verzweifelt. Schilf wäre jetzt hilfreich gewesen. Ansonsten hatte ich hier nichts. Ok, jetzt musste ich improvisieren.
Ich vergewisserte mich, dass mein Fremder noch lebte, und setzte mich dann auf einen Stein. Ich zog mir die Schuhe und meine Thermohose aus und streifte mir meine dicke Strumpfhose nach unten.
Wahnsinn, es war so kalt hier. Meine Haut fror sehr schnell ein und meine Härchen stellten sich in gewohnter Manier auf. Weiters zog ich mir noch meine langen Socken aus und zog mir dann meine Hose und meine Schuhe wieder an.
Mit Strumpfhose und Socken versuchte ich die Ecken zusammenzubinden. Zu meiner Freude klappte es sogar.
Nachdem ich drei Ecken miteinander verbunden hatte, fehlte mir natürlich noch die Vierte. Was konnte ich noch entbehren? Mein BH? Ne, mit Sicherheit nicht. Mein T-Shirt! Ich hatte unter meinem Pullover natürlich noch ein T-Shirt an und das streifte ich mir ebenfalls ab.
Ich versuchte, die Kälte die mir in die Knochen kroch, nicht zu beachten und band die vierte Ecke zusammen. Nun fixierte ich die kleineren Äste noch mit ein wenig Moos, das ich bei einem Baumstumpf fand, und betrachtete mein Werk. Das müsste funktionieren. Es hatte zu funktionieren.
Ich hüpfte zurück zu meinem Fremden und betrachtete auch ihn. Ich könnte vielleicht jetzt ein klitzekleines Problem mit ihm bekommen, denn er war ein großer Mann. Er war tatsächlich ein ziemlich großer Mann. Und breit. Und mit Sicherheit auch viel zu schwer für mich.
Plötzlich überrollte mich ein seltsames Gefühl. So wie er da lag und wie ich da stand kam ich mir so … so … ich weiß, das hört sich jetzt doof an, aber ich fühlte mich so weiblich.
Ich meinte, ich hatte auch etwas vorzuweisen, aber gegen ihn kam ich einfach nicht an. Da vernahm ich im Augenwinkel ein Aufblitzen. Mein Blick schoss zum Himmel.
„Mist“, schrie ich und zog meine Trage neben den Fremden. Die ersten Sonnenstrahlen hatten sich ihren Weg über die Berge gebannt. Eigentlich wusste ich gar nicht, warum ich mir überhaupt soviel Mühe machte. Was sollten denn ein paar Sonnenstrahlen schon ausmachen?
Und doch hatte er gesagt, dass er keine Sonne wollte. Ich stellte mich hinter ihn und schob meine Arme unter seine Achseln. Ich verschränkte sie mit Müh und Not vorne auf seiner breiten Brust und mit einem Ruck, der mir fast das Kreuz brach, hievte ich ihn nach oben und rollte ihn sozusagen auf die Trage.
Ich hatte meine liebe Mühe und ich keuchte wie eine aufgebrachte Wachtel. Seinen Oberkörper lies ich los und zog noch seine Beine auf die Trage. Ich hoffe nur, dass sie ihn aushalten würde.
Es war nicht weit bis zu Leenas Haus. Leenas Eltern hatten vor Kurzem zwei kleine Hütten dazu bauen lassen. Eine davon war für meinen Aufenthalt jedes Jahr bestimmt, und wenn ich den direkten Weg nehmen würde, würde ich bald dort sein. Das war zumindest mein Plan.
Mit Ächzen und Stöhnen hatte ich ihn dort, wo ich ihn haben wollte und, warum auch immer, zog ich meine Jacke über sein Gesicht und seine Arme. Wenn mich später jemand fragen würde, warum ich das getan hatte, so hätte ich keine Antwort dafür (was bei mir eher selten vorkam).
Ich stellte mich an das Kopfende der Trage und klemmte sie unter meinen Armen fest. Dann zog ich sie hoch und brach fast unter der Last zusammen, aber jetzt konnte ich nicht zimperlich sein.
Schön langsam setzte ich einen zittrigen Fuß vor dem anderen. Ich wendete die Trage, denn ich musste in die andere Richtung, um schneller bei meiner Hütte eintreffen zu können. Schwer atmend, oder besser gesagt, richtig keuchend schleppte ich mich, die Trage und den Fremden in die Richtung, in der meine Hütte eigentlich sein sollte.
Die Sonne schickte ihre ersten Strahlen mit hoffnungsloser Qual über unser Tal und erschwerte meine Mission ungemein. So vergingen die Minuten, in denen ich krächzend einen fremden, bewusstlosen Mann mit mir schleppte.
Das Licht kroch unaufhörlich über die Fläche und bald würde es uns eingeholt haben. Ich versuchte, schneller durch den Schnee zu stapfen. Einmal verlor ich das Gleichgewicht und stürzte. Dabei schürfte ich mir die Haut auf. Oh nein, jetzt blutete ich sogar.
Trotzdem raffte ich mich schmollend zusammen. Als ich um die nächste Biegung kroch, sah ich in der Ferne meine kleine Hütte. Sie war noch vollends im Dunkel und der Weg war frei. Ich schöpfte neuen Mut. Ich hatte es gleich geschafft und mit diesem Wissen legte ich nochmals einen Zahn zu.
Ich zog und schleppte, ich kletterte und schob. Das Tal war schon beinahe in hellem Licht getaucht. Als ich zurückspähte, sah ich den obersten Punkt der Sonne. Gleich würde sie uns erreichen, doch ich erreichte den Türknopf meiner Hütte zuerst.
Ich drehte den Knauf und stieß die Tür so weit es ging auf. Dann schleppte ich meinen Fremden samt seiner Trage über die Türschwelle. Puh, eigentlich wollte ich einmal die Braut sein. Wie sich die Zeiten änderten …
Unsanft ließ ich die Trage los und verschloss sofort die Tür. Dann schoss ich zu den Fenstern und zog der Reihe nach die Jalousien nach unten. Es war stockdunkel in meiner Hütte, die kreisförmig gebaut war. Etwas außer Atem betrachtete ich den Fremden.
Was hatte ich mir nur dabei gedacht? Hatte ich noch alle Tassen im Schrank? War ich vollkommen verrückt geworden? War wohl seine Männlichkeit genauso groß wie der Rest seines Körpers? Halt, wo kam das her?
Ich seufzte kurz und zog mir Schuhe und Handschuhe aus. Meine Haut war eiskalt und mein Hals kratzte. Hoffentlich grüsste mich keine Lungenentzündung.
Halbnackt stand ich nun da und hatte keine Ahnung, wie es weiter gehen sollte. Auf das Bett konnte ich ihn nicht legen, denn ich würde unter seinem Gewicht wegknicken. Einfach so auf der Trage konnte ich ihn wohl auch nicht liegen lassen. Hach … Ich beschloss, erstmal ein Feuer zu machen. Leenas Eltern hatten hier einen offenen Kamin einbauen lassen. Außer dem Kamin standen noch ein riesiges Bett und ein paar Kommoden in der kleinen Hütte. Rechts neben dem Himmelbett war eine Tür, die in ein kleines Badezimmer führte.
Ich versuchte ein Feuer im Kamin zu entfachen, aber irgendwie wurden wir bis dato nicht warm miteinander (im wörtlichen Sinne). Ich hatte den Dreh noch immer nicht richtig heraus, aber irgendwann schaffte ich es und das Feuer loderte wild auf.
Mit einem triumphierenden „Ha“ wandte ich mich wieder meinem Gast zu. Ok, ich brauchte Platz. Zuerst schob ich seine Trage wieder ein wenig zur Seite und holte die Tierfelle meiner Gastfamilie unter dem Bett hervor. Sie waren sorgsam in einer Truhe zusammengelegt und waren für die Nächte gedacht, in denen es bis zu -30 ° Celsius kalt wurde.
Ich breitete sie großflächig vor dem Kamin auf. Ich versuchte es so gemütlich wie nur irgend möglich zu gestalten und stopfte ein Kissen nach dem anderen zwischen die Felle. Als ich es für gut und ausreichend empfand, ging ich zu dem Mann zurück.
Ich zog meine Jacke herunter und war wieder erstaunt über die raue Schönheit des Mannes. Er war keine klassische Schönheit. Absolut nicht. Dafür war er viel zu kantig und kräftig, aber irgendetwas gefiel mir an ihm.
Es gefiel mir sogar sehr. Zu viel, wenn mich jemand fragen würde, was natürlich keiner tat, da niemand außer mir hier war. Zumindest niemand der bei Bewusstsein war. Der, der noch hier war, meinte wohl, dass er sich eine Auszeit nehmen konnte, indem er hier so herumlag und sich von mir verarzten ließ, wobei meine Gedanken sofort wieder zu Arztspielchen wanderten und diese gerade ziemlich unpassend waren, aber was sollte ich sagen?
Hin und wieder hatte ich auch einmal versaute Gedanken. Gestraft sollte ich sein. Ich packte ihn an den Füßen und hievte sie nach oben. Also das Hanteltraining konnte ich mir definitiv ersparen. Ich zog weiter an seinen Füßen. Dummerweise hatte sein lebloser Körper etwas anderes mit mir vor, denn er bewegte sich kein bisschen. Das war doch nicht zu fassen. Ich drehte mich um, schnappte mir nur ein Bein und zog. Nicht einmal einen Millimeter konnte ich ihn bewegen. Durfte das wahr sein?
Gut. Dann eben anders. Ich lies seine Beine fallen und stieg über ihn hinweg. Ich griff nach seiner Hand und zog daran. Ich stemmte mich mit meinem ganzen Gewicht gegen ihn (und ich hatte ein bisschen was zu bieten), doch auch hier bewegte er sich nicht.
„Puh, du willst mich wohl ärgern, was? Dann hast du dir die Falsche ausgesucht, Freundchen“, erklärte ich ihm und stellte mich auf die andere Seite. Ich drehte seine Trage, sodass sie quer im Raum lag.
Dann griff ich unter seinen Rücken. Wow, was waren das nur für Rückenmuskeln. Er musste wie ein junger Gott aussehen, wenn er gewaschen und bei Bewusstsein war.
„Jetzt wird es etwas unbequem. Bitte verzeih, aber du lässt mir keine andere Wahl“, nuschelte ich, während ich meine mickrigen Rückenmuskeln anspannte und ihn zum Kamin hin rollte. Beim ersten Dreh knallte seine Nase mit voller Wucht auf den Boden auf.
„Entschuldige“, flüsterte ich, aber bei seinen Schrammen konnte das nicht mehr viel ausmachen. Beim nächsten Dreh hatte ich das Gefühl, als hätte er mich beobachtet und mich ausgelacht.
Dann kam der dritte Dreh und sein Fuß verhakte sich mit der Trage, was grob gesagt hieß, dass er sich mit einem meiner Socken verhakt hatte und feststeckte.
„Mist“, murmelte ich vor mich hin und machte mich daran, sein Bein aus diesem Wirrwarr herauszubekommen. Das war gar nicht so einfach, da sein Bein ziemlich kräftig war, seine Zehen unheimlich stanken und meine handgestrickten Socken so zäh waren, dass ich sie nicht einmal auseinanderreißen konnte.
Zu guter Letzt schnappte ich mir eine Schere und schnitt die Beiden auseinander. Es tat mir wirklich leid. Du warst mit Sicherheit ein treuer Gefährte für den Fremden, du Hosenbein. Meine Socken hatte ich glücklicherweise voll und ganz gerettet. Nun brauchte ich nur mehr einmal schieben und der Fremde lag auf den Fellen vor dem Kamin. Hauruck, geschafft.
Nun lag er da. Der Schein des Feuers legte seine Schatten auf das Gesicht des Mannes. Ich seufzte undamenhaft. Anschließend holte ich mir eine Schüssel und ließ warmes Wasser einlaufen. Dann nahm ich mir noch einen sauberen Lappen und machte mich an mein Werk.
Ich kniete neben ihm und tunkte den Lappen in das heiße, dampfende Wasser. Als dieser vollgesogen war, tupfte ich vorsichtig das Gesicht des Fremden ab. Sein Haar klebte noch immer in seinem Gesicht. Eigentlich müsste doch Blut rinnen, denn sein Kopf war auf dem Stein aufgeschlagen. Dieser Gedanke machte mich stutzig.
Ich beäugte seinen Kopf etwas näher und tupfte an seinen Haaren herum. Als das gröbste Blut weg war, fragte ich mich, wo die Platzwunde war. Woher hätte sonst das ganze Blut kommen sollen?
Eigenartig. Auch seine Knochen waren vorhin herausgedreht gewesen und hatten fast durch die Haut gestochen, aber jetzt? Er sah aus, als wäre er einfach nur müde. Sonst nichts. Ok, vielleicht benötigte ich ein wenig mehr Schlaf.
Ich säuberte weiter sein Gesicht und versuchte so gut es ging, seine Haare zu waschen. Sie waren dunkel und so lang. Sie reichten mit Sicherheit bis über die Schultern. Dann schnitt ich ihm das Shirt auf und fing fast an zu sabbern, als ich seinen Oberkörper entdeckte.
Ich war doch auch nur eine Frau. Ich ließ den feuchten Lappen genüsslich über seine breite, muskulöse Brust wandern und massierte seine Haut. Hey, ich schrubbte hier einen fremden Mann sauber. Da durfte ich doch wohl ein bisschen Freude dabei empfinden. Seine Brustwarzen stellten sich ein wenig auf und weiche Härchen kringelten sich rund herum. Sein Bauch war voller Muskeln und steinhart.
Das Wasser perlte nur so über seinen Körper und der ganze Schmutz verzog sich. Gebannt beobachtete ich die Wassertropfen, wie sie sich ihren Weg bis hinab in seinen Bauchnabel suchten. Dort setzte erneut ein weicher Haarflaum an und zog sich bis weiter nach unten.
Meine Hände zitterten als ich den Lappen weiter tiefer gleiten lies. Ich meinte, ich konnte doch nicht nur die obere Hälfte seines Körpers säubern, oder doch? Was würde er wohl von mir denken, wenn er aufwachte?
Eine Perverse? Eine Krankenschwester? Wozu würde das wohl führen? Ein lang ersehntes Kribbeln setzte in meinem Bauch ein. Es war schon so lange her, dass ich irgendetwas in diese Richtung unternommen hatte. Ich war nie besonders experimentierfreudig gewesen, was das anging, so hatte ich meine paar Erfahrungen gemacht und das war es gewesen.
Als ich so das Spiel des Lichtes auf seinem Körper beobachtete und das Kribbeln in meinem Körper immer heftiger wurde, war ich versucht, aber wirklich nur kurz, meine Hand über meine Brüste und weiter nach unten gleiten zu lassen.
Ich wollte meine intimste Stelle berühren und machen, dass das Kribbeln aufhörte, aber dann vernahm ich einen leisen Seufzer meines Gastes und kam wieder zu mir.
Ich schüttelte mich kurz, denn ich hatte das Gefühl, als würde ich mich drehen. Vor meinen Augen verschwamm alles für wenige Millisekunden, dann hatte ich mich wieder gefangen. Ich blickte zu meinem Gast und sah, dass er seine Lippen ein wenig geöffnet hatte.
Seine Lippen waren so männlich rau und wunderbar geschwungen. Ich starrte minutenlang darauf und bemerkte erst viel später, dass meine Lippen komplett ausgetrocknet waren.
„Reiß dich zusammen, Em. Er ist doch bloß ein Mann, kein Heiliger, oder so“, munterte ich mich selber auf, aber so ganz sicher war ich mir da nicht mehr. Ich machte mich daran, seine Hose zu zerschneiden.
Ich schnitt sie einfach der Länge nach auf und zog sie ihm runter. Am liebsten hätte ich sie ihm wieder angezogen, denn er hatte nichts darunter an. Meine Wangen liefen tomatenrot an. Mir wurde unheimlich heiß und meine untere Hälfte tanzte Tango.
Ich beschränkte mich zuerst darauf, dass ich nur seine Unterschenkel reinigte und vor allem weichte ich seine Füße ein. Die hatten es bitter nötig. Irgendwann waren sie dann so sauber, dass ich mich nicht mehr davor drücken konnte, weiter nach oben zu wandern. Mit kreisförmigen Bewegungen arbeitete ich mich nach oben.
Seine Härchen kräuselten sich und meine Hände zitterten. Mein Herz schlug wie wild und meine Wangen glühten. Grundgütiger, zum Glück war hier niemand anderes bei Bewusstsein.
Nachdem ich nicht mehr drum herum kam und ihm die Hose wegnehmen musste, schloss ich die Augen und wandte meinen Kopf ab, dann zog ich sie weg.
Hinsehen, du musst hinsehen, sagte mir mein Hausverstand. Vorsichtig blinzelte ich dorthin und mit einem etwas lauteren „Huch“ schaute ich wieder weg.
Dann blickte ich wieder hin und mein Mund klappte von ganz alleine auf. Ich konnte nichts dafür, ehrlich nicht. Seine Männlichkeit ragte in voller Größe vor mir auf und ein leises Seufzen drang an meine Ohren.
„Oje …“, murmelte ich mehr zu mir selbst als zu ihm und tupfte auch hier den Schmutz vorsichtig weg. Ich war so fasziniert von seiner Größe und Stärke, dass ich fast vergaß, dass ich ihn eigentlich gar nicht so anstarren dürfte.
Ich zuckte zurück. Ich brauchte unbedingt eine kalte Dusche. Sofort.